10 Tipps für gute Texte – Schreibst du noch oder überzeugst du schon?

Böse Zungen behaupten ja, jeder könne schreiben. Natürlich ist fast jeder, der eine Schulbildung genießen durfte, in der Lage, Buchstaben zu Wörtern, Wörtern zu Sätzen und Sätze zu Texten zu formen. Aber kommen da auch immer Texte raus, die andere lesen wollen? Mit Sicherheit: Nein.

Gut schreiben können, das ist ein Talent – angereichert mit Knowhow. Mit „gut“ meine ich, so zu schreiben, dass der Leser den Text gerne bis zum Ende liest. Im besten Fall hat das Geschriebene den Leser verändert: Er hat etwas dazugelernt, die Antwort auf eine Frage gefunden, seinen Horizont erweitert. Vielleicht hatte er einfach unterhaltsame Minuten mit meinem Text. Oder er will nun ein bestimmtes Produkt kaufen und hat Vertrauen zu einer Marke, einem Unternehmen aufgebaut – je nach Textart und Ziel des Textes.

Es gibt meiner Meinung nach ein paar Grundregeln beziehungsweise „Dos and Don’ts“, die für alle Textarten – egal ob Social-Media-Post, Blogartikel, Ratgeber oder Roman – gelten. Diese helfen dir dabei, so zu schreiben, dass du den Leser überzeugst – von dir, von einem Thema, von einem Unternehmen, von einem Produkt. Ein paar dieser Tipps für gute Texte stelle ich dir hier vor.

1. „Schreibe, wie du redest, so schreibst du schön.“ (Gotthold Ephraim Lessing)

Dieser Schreibtipp Lessings ist für mich der wichtigste und liegt allen anderen zugrunde. Du redest nicht in verschachtelten, viel zu langen Sätzen voller behördig klingender Substantive, Fremdwörter und abstrusen Synonymen.

Natürlich gibt es auch Schwafelbacken oder Menschen, die ihre Zuhörer beim Sprechen einschläfern. Die meisten werden aber erst dazu, wenn sie einen Stift in die Hand nehmen oder eine Tastatur vor sich haben.

Vielleicht liegt hier die Portion Talent, die Menschen zu guten Schreiberlingen werden lässt. Ein Gefühl für Sprache lässt sich aber auch antrainieren – in dem man viel liest, zuhört und hinterfragt: „Warum hat mir dieser Text, dieser Satz gefallen? Warum will ich jenen Text nicht weiterlesen oder dem da nicht mehr zuhören?“ Die Erkenntnisse machen dich zu einem besseren Autor.

2. Auf den Einstieg kommt es an

Der Einstieg in einen Text musst knallen. Hier entscheidet sich, ob der Leser dabeibleibt oder schon nach dem ersten Satz deine Seite wieder verlässt oder dein Buch wieder zuschlägt.

„Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will,“ sagt William Faulkner dazu. Aber wie?

Zahlen, die erstaunen, verblüffende Zitate, eingängige Beispiele oder ein Problem, mit dem sich der Leser identifizieren kann oder eine Provokation – damit fängst du deine Leser ein.

3. Verben sind besser als Substantive

Willst du, dass deine Schreibe klingt, als würdest du bei einer Behörde arbeiten? Vermutlich nicht. Du vermeidest diesen Eindruck am sichersten, wenn du immer, wenn es möglich ist, ein Verb gegenüber einem Substantiv bevorzugst. Vermeide den Nominalstil. Auch wissenschaftliche Texte strotzen meist davon. Leider auch viele Websitetexte.

Verben kristallisieren zu Bildern im Kopf, machen den Text verständlich, unterhaltsam; sie treiben den Text voran.

Was liest du lieber? „Meine Aufgabe ist das Verfassen von Social-Media-Posts“ oder „Meine Aufgabe ist es, Social-Media-Posts zu verfassen“?

4. Aktiv statt passiv

Noch so ein Kennzeichen von Behördendeutsch: Passivkonstruktionen. Das Passiv wird auch „Leideform“ genannt – und das ist sie im wahrsten Sinne des Wortes. Sie wird meist dann eingesetzt, wenn der aktive Part, der tatsächlich Ausführende, nicht bekannt ist oder nicht verantwortlich sein will. „Sie werden aufgefordert, Ihren Führerschein abzugeben.“ Da redet sich doch jemand um seine Verantwortung, vermeidet, klare Verhältnisse zu schaffen!
Das Passiv macht Sätze meist unnötig lang und verschachtelt. Wo immer es möglich ist: Aktiv formulieren!

5. Bescheidenheit bei Synonymen

Ja, wenn es um Suchmaschinenoptimierung geht, sollten alle Synonyme eines Begriffs im Text auftauchen, die ein Nutzer in die Suchleiste bei Google eintippen könnte. Dennoch gilt auch bei Texten, die auf ein gutes Ranking abzielen: Sie müssen gut geschrieben sein, damit sie gelesen – und von Google hoch einsortiert werden.

Wolf Schneider bringt es drastisch auf den Punkt: „Die Bezeichnung einer Person oder einer Sache zu wechseln, obwohl ich weiter sie und nur sie meine: Das verletzt unser aller Urvertrauen in die Sprache und unser aller natürliche Erzähltechnik.“ (aus: Wolf Schneider – Deutsch für junge Profis)

Wird statt des zentralen Begriffs ein Synonym eingesetzt, geht das oft nach hinten los: Der Leser ist verwirrt oder findet die bildhafte Umschreibung albern. Er weiß nicht, ob der Autor immer noch vom selben Gegenstand redet oder etwas anderes meint. Also, schreibe „Tomaten“, wenn du Tomaten meinst, nicht „rote Frucht“. (Zum Thema SEO: Was soll der Nutzer anderes eingeben als „Tomaten“, wenn er Infos über Tomaten sucht?)

6. Beispiele und Bilder

Von Joseph Pulitzer stammt dieses bekannte Zitat: „Schreibe kurz – und sie werden es lesen. Schreibe klar – und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.“

Wer von „Backwaren“ schreibt, lässt es nicht in der Vorstellung des Lesers durften. Roggenbrötchen, Croissants und Plunderteilchen hingegen wecken eine innere Bäckerei. Vorstellungen können sich im Gedächtnis verankern, sodass der Leser sich die Textinhalte merkt. Denn Vorstellungen sind mit Emotionen verknüpft; geweckt werden sie durch anschauliche Beispiele, Vergleiche und Bilder.

7. Wähle deine Adjektive weise

Sind wir doch mal ehrlich: Viele Adjektive bauen wir in Texte ein, einfach weil wir nicht genau wissen, was wir sagen wollen. Sie sind abgedroschen, tragen kaum Bedeutung. Mit den Adjektiven überlassen wir es dem Leser, sich seinen Reim zu machen. In der Regel sind sie jedoch nichtssagend und machen den Text matschig. Was meinst du genau mit „hochwertigem Content“, bereichert die Ergänzung der „Tipps“ zu „hilfreichen Tipps“ wirklich die Formulierung?
Mache den Test: Streiche aus deinem Text alle Adjektive. An welcher Stelle fehlt nun etwas?

8. Füllwörter und nichtssagende Wörter meiden

Anscheinend, gewissermaßen, kaum, grundsätzlich – das sind ein paar Beispiele für Füllwörter. Es gibt zahlreiche Blogs und Websites, die jede Menge solcher Wörter auflisten; Wörter, die aus jedem Text gestrichen werden können. Zum Beispiel hier oder hier. Wenn wir sprechen, sind sie meist sinnvoll (hier greift Tipp 1 nicht ;)). Sie betonen Aussagen, ermöglichen Denkpausen. In Texten haben sie meist nichts verloren.

Füllwörter machen Texte länger, schwerer verständlich und sie stören den Lesefluss. In der Regel können sie ersatzlos gestrichen werden. Wenn das nicht möglich ist, solltest du nach einer besseren, prägnanteren Formulierung suchen.

Was macht, deiner Meinung nach, gute Texte aus? Hast du andere Grundregeln, nach denen du schreibst oder Texte von anderen bewertest? Hinterlasse mir einen Kommentar!